Malaysia 2004

Malaysia 2004

Es ist ein fränkischer Winterabend. Ich stehe mit einer dünnen Regenjacke vor meinem bepackten Fahrrad, in den Taschen nur Sommerkleider – es geht ins Warme. Fröstelnd fahre ich durch den Schnee zum Bahnhof. Mit dem Gedanken im Kopf, was ich dieses mal wieder vergessen habe. Zum Glück fällt mir auf der Fahrt nichts ein und überhaupt, Kleinkram kann man sich ja in Asien günstig nachkaufen. Die Bahnfahrt nach Frankfurt läuft sogar ohne Verspätungen. Am Flughafen finde ich nach dem richtigen Schalter für den nächsten Morgen gleich einen Schlafplatz, der anscheinend als Ausstellungsfläche für Autos gedacht ist. Neben einigen anderen Leuten verbringe ich eine recht unruhige Nacht. Am nächsten Morgen geht es nach aufwendiger Sicherheitskontrolle dem fernen Osten entgegen. In Singapur erlebe ich eine sehr unkomplizierte Ankunft. Bei der Passkontrolle komme ich gleich dran, der Grenzer bietet mir Süßigkeiten an und als ich nach dem richtigen Gepäckband suche, sehe ich, dass mein Fahrrad nebst Taschen bereits am anderen Ende der Halle auf dem Boden liegen. Das Fahrrad hat keinerlei Schäden abbekommen und schnell bin ich in der schwülen tropischen Morgenluft auf dem Weg in Richtung Stadtzentrum. Ein netter Flughafenangestellter hatte mir beim Auspacken des Rades geholfen. Nach ein Paar Kilometern auf einer perfekten Autobahn fahre ich durch einen Stadtpark in dem es ausgewiesene Radwege gibt. In den Büschen schreit und pfeift es in allen Frequenzen. Die Autofahrer sind diszipliniert und die Straßen blitzsauber. Ein außergewöhnlicher Ort im chaotischen Asien. Unterkunft ist schnell gefunden und ich beginne die Stadt zu erkunden. Am Abend besuche ich mit zwei Backpackern die Feiern zum Chinesischen Neujahr. Die Paraden sind nicht besonders stimmungsvoll, viel spannender ist der Kontakt zu einigen Einheimischen.

In Singapur hält es mich nicht lang, ich sehne mich nach Asphalt unter den Rädern. So mache ich mich schon nach zwei Nächten auf den Weg.

Nach einem einfachen aber guten Frühstück im Hostel geht’s los, ich hatte mir vorgenommen eine neue Grenzbrücke im Osten der Stadt zu benutzen. Der Linksverkehr fällt mir nicht schwer und auch die rücksichtsvollen Autofahrer machen die Sache leichter. An der Brücke angekommen erklären mir die Grenzer, dass der Übergang leider nur von Kraftfahrzeugen benutzt werden darf. Nach langen Umstimmungsversuchen, die bei den Grenzbeamten auf Granit stoßen, mache ich mich entnervt auf dem Weg zum alten Causeway im Norden. Die Panne bedeutet für mich 90km Stadtverkehr an einem Tag. Unter der brennenden Äquatorsonne kein Vergnügen. In der Malaysischen Grenzstadt Johor Bahru finde ich durch Zufall eine nette Herberge in der ich einen langjährigen Weltenbummler aus Holland treffe. Am Abend gehen wir zusammen in die Duty Free Area, wo sich die halbe Stadt trifft um zollfrei Alkohol zu trinken, der sonst recht teuer ist.

Am nächsten Tag geht es auf einer dicht befahrenen Straße aus der Stadt heraus. In einem indischen Cafe hatte ich mir vorher ein für meinen Gaumen recht eigenartiges aber sehr leckeres Frühstück auftischen lassen. Leider wird der Verkehr auch weit außerhalb der Stadt nicht weniger. Dafür ist der Asphalt hervorragend – wie auf allen Strecken, die ich in Malaysia unter die Räder nahm. In den Dörfern werde ich oft freundlich gegrüßt und komme manchmal aus dem Winken kaum heraus, während die Frauen oft nur lächeln, schreien manche Männer und Jungs mir regelrecht hinterher und winken mit ausgestreckten Armen. Das nett gemeinte Hupen mancher Autofahrer sollte mich noch einige Male erschrocken zusammenfahren lassen.

Ich entscheide mich für die leider recht volle Küstenstraße, die am Wasser in Richtung Norden führt. In den Orten ist der Verkehr das totale Gegenteil von dem in Singapur. Jeder fährt wie er will und jeder Zentimeter wird ausgenutzt. Wie ich schnell merke, ist der Kontakt zur Bevölkerung leicht. Fast immer wird man angesprochen, wenn man sich in einem Laden eine Erfrischung kauft oder sich in ein Straßenlokal zum Essen setzt. Immer wieder bin ich verblüfft über die guten Englischkenntnisse der Leute. Manche Wirte setzen sich sofort zu mir, zünden sich eine Zigarette an und lassen mich erst mal erzählen. Auf die Standardfragen lege ich mir schnell Antworten zurecht. Ja, Malaysia ist super, Nein, die USA mag ich nicht, George Bush ist ein Kriegsverbrecher und sollte die Moslems in Ruhe lassen, in Deutschland zahlt man mit Euro, das ist eine Luftpumpe… den Leuten etwas nach dem Mund zu reden kann in der Fremde ganz hilfreich sein.

In der kleinen Stadt Batu Pahat bekomme ich für wenig Geld ein schönes Zimmer. Am Abend ist in der Stadt ordentlich was los und im Park finde ich schnell Anschluss zu einer kleinen Gruppe junger Einheimischer. Weiter geht es auf der vollen Küstenstrecke, es reiht sich ein Dorf an das nächste. Die Hitze macht mir zu schaffen und auf meinen verbrannten Handrücken bilden sich Bläschen. Während der ärgsten Hitze lege ich mich in ein kleines Buswartehäuschen und schlafe sofort ein. Im Halbschlaf bemerke ich, wie ich von den Dorfkindern besichtigt werde, bin aber zu träge mich aufzurichten. Irgendwo auf dem Weg fahre ich in eine Polizeikontrolle, peinlich genau werden die Papiere der Autofahrer studiert, mit mir wollen sich die Beamten nur ein wenig unterhalten, nach meinem Paß fragen sie nicht. Wegen einiger Baustellen, deren Staub auf meiner schweißnassen Haut hervorragend kleben bleibt komme ich völlig verdreckt in der schönen Stadt Melakka an. Dort komme ich in einem Gemütlichen Guesthouse unter und verbringe die nächsten zwei Tage mit Essen, Schlafen und etwas Sightseeing. Da ich mich fast nur an den Straßenständen ernähre lässt der erste Durchfall auch nicht lang auf sich warten, den ich aber erfolgreich mit einigen köstlichen Bananen behandle. Melakka ist eine wirklich schöne Stadt in der die Baustile mehrerer Kolonialherren zu finden sind. Leider ist die Stadt schon ziemlich von Touristen überlaufen. Trotzdem falle ich mit meinen blonden Haaren auf – als ich auf einem Spaziergang in der Stadt bin, sprechen mich vier Malaiinnen an, die sich alle nacheinander mit mir fotografieren lassen wollen, den Spaß mache ich natürlich mit und ärgere mich kurz darauf, dass ich meinen Fotoapparat nicht auch gleich rausgeholt habe. Komisch, dass sie sich alle von mir den Arm um die Schulter legen ließen, denn zwei von ihnen trugen ein Kopftuch.

Als ich in Melaka starte ist es noch dunkle Nacht, die letzten drei Tage in der Hitze haben mir gereicht. Bei der Fahrt aus der Stadt lassen sich große Gruppen von Chinesen bei ihrer morgendlichen Meditation oder bei Schattentänzen beobachten. Es ist schön, den Tag erwachen zu sehen und für die Schulkinder biete ich wohl schon am Morgen die Attraktion des Tages. Hinter Melaka wird der Verkehr dünn und die Landschaft hügelig. Wie auch in den Letzten Tagen wird die Landschaft durch viele Ölpalmplantagen bestimmt. Aber auch Kautschukbäume wachsen hier und ich sehe einer Frau beim morgendlichen Anschneiden der Rinde zu. Im Chaotischen Seremban versuche ich einen Zug nach Kuala Lumpur zu erwischen, doch ich bekomme vom Schalterangestellten gleich die Beförderungsbedingungen in englisch und malaiisch vor die Nase geknallt. Ein Gepäckstück darf auf keinen Fall länger als 45cm sein, deswegen darf das Rad auch in einem Zug mit Gepäckwaggon nicht mitfahren. Der Mann lässt sich nicht erweichen. Am Busbahnhof bin ich erfolgreicher. Nach kurzer Verhandlung darf ich mitfahren und rolle wenig später in Kuala Lumpur ein. Auf den ersten Blick ist es einfach eine laute, dreckige und überfüllte Stadt. Das Hostel ähnelt einer Militärunterkunft aus einem schlechten Spielfilm und ist offensichtlich in einem alten Lagerhaus untergebracht. Nach einem ausgedehnten Nachmittagsschlaf, einem langen Spaziergang und einem Abendessen auf dem Nachtmarkt beginnt mir die Stadt zu gefallen. Auf der Dachterrasse des Hostels lasse ich den Abend mit einigen interessanten Gestalten aus aller Welt ausklingen.

Am nächsten Morgen schließe ich Bekanntschaft mit Ion aus Rumänien, zusammen haben wir schnell in einem urigen Hostel ein schöneres Quartier. Es ist angenehm eingerichtet und man ist nur zu dritt in einem Zimmer. Dafür ist es mit 3€ pro Nacht ein Drittel teurer als das Militärlager. Aber das bringt ja keinen um. Leider bin ich nach den zwei Nächten dort ziemlich zerstochen. Moskitos gibt es hier wenige, dafür anscheinend umso mehr Bettwanzen.

Zusammen mit Ion und Warren aus Australien sehe ich mir die Stadt an, die mir immer besser gefällt. Am schönsten ist es auf dem Fernsehturm und in den Nebenstraßen.

Zentralmalaysia

Als ich morgens um halb sechs auf der Straße mein Rad belade grinst mich erst mal eine unglaublich große Ratte an. In den Abfallhaufen, gedeihen die Viecher hier prächtig. Die Rushhour hat noch nicht begonnen und ich kann ganz in Ruhe aus der Stadt hinausfahren. Am Stadtrand muss ich noch vor den Augen lachender Schulkinder unter einer Straßenlaterne meinen Hinterreifen flicken. Kurz nach den letzten Häusern der Hauptstadt bin ich fast allein auf der Straße, die schnell in die Genting Highlands aufsteigt. Endlich fahre ich auch mal durch eine natürliche Landschaft und nicht nur durch Plantagen. In den Highlands gibt es nur durch ein paar kleine Dörfer, die recht leer aussehen. Obwohl es fast schon unangenehm kühl ist, bin ich am ganzen Körper durchnässt, die Luft ist unglaublich feucht, von den Bäumen fallen dicke Wassertropfen und in den Tälern hängen dicke Nebelschwaden, was die Urwaldszenerie herrlich malerisch macht. Die Straße schlängelt sich stetig steigend immer an den Berghängen entlang, zwei sportliche Asiaten überholen mich mit verwunderten Gesichtern auf ihren Rennrädern. Hinter einer Kurve komme ich mit einem chinesischen Geschäftsmann ins Gespräch, der mir sofort seinen neuen deutschen Mercedes zeigt. Wie auch viele andere Männer hier ist er sehr interessiert an meinem Rad und begutachtet es sehr genau, mit Dingen wie dem Tacho, der kleinen Pumpe und dem massiven Bügelschloss können viele überhaupt nichts anfangen. Für den weiteren Weg stattet er mich noch mit einem Arsenal an vollen Wasserflaschen und guten Wünschen aus. Von der Tierwelt ist nicht viel zu sehen. Nur einige Affenfamilien hangeln sich kreischend durch die Bäume am Straßenrand. Viel zu schnell geht es wieder ins Tal hinunter, das kilometerlange Rollen ist nur ein schwacher Trost dafür, dass das schöne Hochland schon zu ende ist. Bei der Quartiersuche am Abend bekomme ich ein erbärmliches Zimmer zu einem für Malaysia recht hohen Preis angeboten. Der Rezeptionist hat anscheinend nichts anderes zu tun, als das ganze Haus mit seinem Zigarettenqualm einzuräuchern – geputzt hat jedenfalls keiner. Wenigstens weist ein kleines Schild am Eingang darauf hin, dass es im Haus verboten ist auf den Boden zu spucken. Daraufhin lege ich lieber etwas Geld drauf und gehe in das beste Hotel der Kleinstadt, das gut und gerne mit einem fünf Sterne Hotel in einem Urlaubsgebiet mithalten könnte. Es kostet aber immer noch weniger als ein Bett im Schlafsaal einer Jugendherberge in Berlin oder München und ich fühle mich in meiner Luxus-Suite richtig wohl. Am nächsten Tag möchte ich eine kleine Abkürzug über eine Nebenstraße fahren, die mich durch viele kleine Dörfer führt, wo ich überall sofort auffalle. Als ich in einem solchen Nest nach dem Weg frage sagen mir die Leute, dass der weitere Verlauf der Nebenstraße fast völlig zerstört ist und ich deswegen umkehren muss. Es fällt mir schon etwas schwer, den Ärger über die 20 km Rückfahrt, die mir jetzt bevorstehen in einem Lächeln zu verbergen, zum Glück gibt es noch eine Stichstraße, sodass ich nicht den ganzen Weg zurückfahren musste. Diese Stichstraße führte nur leider über einen ziemlich steilen Hügel und selbst schiebed geht es nur langsam voran. Ein Auto kommt langsam an mir vorbeigefahren. „Macht euch nur lustig“ denke ich mir zähneknirschend. Aber das Auto kommt wieder, es ist einer der Männer aus dem kleinen Dorf, er war 15km gefahren um nach mir zu sehen. Damit hat er mir eine riesige Freude gemacht, die meine Stimmung wieder hebt. Und auch die Abfahrt naht. Wie so oft lege ich mich einmal wieder zum Schlafen in ein Wartehäuschen. Als ich aufwache merke ich, dass ich nicht allein bin. Kaum zwei Meter neben mir liegt eine über einen Meter lange, dunkle Schlange im Gras. Zum Glück flüchtet sie, als sie mich bemerkt. Ein Einheimischer, der sich später zu mir gesellt meint dann, dass ich da wohl einer Giftschlange begegnet bin, deren Biss innerhalb von wenigen Stunden zum Tod führt. Aber ich soll mir keine Sorgen machen, denn Schlangen greifen nur sehr selten Menschen an. Hoffentlich hat er recht. In Jerantut entscheide ich mich spontan einen Ausflug in den Taman Negara Urwald Nationalpark zu machen. So pausiert mein Fahrrad die nächsten Tage im Büro des Hostels.

 Der Nationalpark

 Der malaysische Taman Negara Nationalpark soll der einzige Ort sein, wo man noch ursprünglichen Regenwald begutachten kann. Obwohl hier alles der Organisistion der Parkverwaltung unterliegt, ist von Touristenströmen nichts zu merken. Die meisten Gäste scheinen das teure Resort zu meiden und steigen lieber im Hostel oder einem der kleinen Gusthouses ab. Für die Anfahrt entscheide ich mich für das Schiff, das erscheint angenehmer als die Busfahrt. Auf dem Weg zum Anleger merke ich im Minibus erst mal, dass die malaysischen Straßen nicht so gut sind, wie ich erst gedacht hatte. Große Bodenwellen sind nicht ausgeglichen und der Bus schaukelt hin und her. Die Bootsfahrt ist sehr angenehm, ich sitze einfach da und genieße den Wald, der direkt am Flussufer beginnt, dabei unterhalte ich mich mit einer einheimischen Studentin. Die Zeit im Park verbringe ich überwiegend mit einem Züricher Paar. Bei einer Höhlenwanderung lassen sich Fledermäuse aus nächster Nähe betrachten, ziemlich niedliche Tierchen. Die Schlangen, die dort mit ihnen leben sind zumindest angeblich völlig harmlos. Ein Erlebnis dort ist auch der Canopi Walk, eine der längsten Hängebrücken der Welt, die an den großen Urwaldriesen befestigt, in schwindelnder Höhe durch den Wald führt. Doch viel spannender ist noch die Übernachtung in einer Hütte mitten im Wald, leider ist sie sehr voll, was natürlich die Tiere verjagt. Als es dunkel ist, gehen der Schweizer und ich zusammen in den Wald, schalten unsere Lampen ab und warten auf Tiere, außer ein paar Glühwürmchen nähert sich allerdings nichts. Der Urwald wirkt auch nachts sehr einsam. Nur manchmal schallt der Ruf eines Affen zwischen den Bäumen durch. Wenigstens lassen sich im Morgengrauen die schemenhaften Umrisse eines Tapirs erkennen und auf der Rückwanderung am nächsten Morgen finden wir einen 20cm langen Tausendfüßler. Die Rückfahrt im Boot ist wieder Entspannung pur. Der manchmal sehr flache Fluss lässt sich nur mit langen, schmalen Booten befahren, das macht es noch gemütlicher. Nur die knatternden Außenbordmotoren stören dabei.

Zurück in Jerantut kaufe ich nur noch ein paar Kekse und viel Wasser für den nächsten Tag ein. Dann geht es schnell ins Bett, schließlich habe ich mir einiges vorgenommen.

An die Ostküste

Um fünf Uhr morgens bepacke ich in der Eingangshalle des Hostels mein Rad. Der gelangweilte Nachtportier ist ganz außer sich als er das sieht und stellt gleich hektisch einen Haufen ebenso hektischer Fragen. Nichts wie los! Schnell habe ich die Landstraße gefunden und fahre durch die dunkle Nacht der Ostküste der malaiischen Halbinsel entgegen. Außer meinem Dynamo ist weit und breit nichts zu hören, nur wenige Autos kommen vorbei. Mir gehen die Bücher von Heinz Helfgen durch den Kopf, der in den 50er Jahren viele seiner Etappen um die Welt nachts gefahren ist. Wie hat der Mann das nur auf die Dauer ertragen? Die Landschaft ist hügelig aber es geht gut voran und ich habe das Gefühl, dass es weit mehr bergab als bergauf geht. Komischerweise ist es der einzige Tag, an dem mir viele Straßenhunde begegnen. Zum Glück sind die meisten recht träge und scheinen Angst vor mir zu haben. Warum überfahren die Autofahrer statt der für die Natur sehr bereichernden Eidechsen, Schlangen und Affen nicht mal ein paar von diesen Viechern, denke ich mir dabei. In einer Kleinstadt laufen mir ein paar Jungen laut schreiend hinter mir her, die Mädels an der Bushaltestelle lachen nur laut, als ich ihr Winken erwidere. Außer einigen Holztransportern, die die Schätze aus den malaysischen Wäldern abtransportieren ist auf der Straße nicht viel los, erst kurz vor Kuantan wird der Verkehr sehr dicht aber ich finde schnell eine Bleibe, meine Frage nach einem „Discount“ ist einmal wieder erfolgreich, obwohl die meisten Häuser feste Preislisten haben. Die Stadt hat abgesehen von ihrer schönen Moschee nicht viel zu bieten, da gehe ich einfach etwas spazieren und schlage mir an den Straßenständen den Bauch voll und genieße es auf diese Weise richtig in der Stadt. Am nächsten Morgen fahre ich etwas später losBald kann ich von der großen Küstenstraßen in eine kleinere Straße abbiegen und stoße wenig später auf das südchinesische Meer.

Der Strand ist enttäuschend hart und dreckig. Auch die Landschaft war an der Westküste schöner – sie erinnert mich fast ein wenig an Nordfriesland. Als ich die Hauptstraße erreiche esse ich erstmal ordentlich. Wie fast immer nicht allein. Je abgelegener der Essensstand, desto größer ist das Interesse der Einheimischen, die meist sogar ziemlich gut Englisch sprechen. Häufig serviert der Chef persönlich das Getränk und setzt sich dabei gleich zu einem, um herauszufinden was für ein Fremder gerade bei ihm eingekehrt ist.

Im Ort Pekan treffe ich Hamid. Er ist Beamter der Stadtverwaltung und lässt es sich nicht nehmen, mir sein Büro zu zeigen und mir dann bei der Quartiersuche zu helfen. Der Ort ist zimelich beschaulich, doch es findet gerade ein Fußballspiel statt, das die Stimmung ein wenig hebt. Als ich mich am Abend gerade auf meinem Bett ausgestreckt und nach einem Buch gegriffen habe klopft Hamid an die Tür und überrascht mich mit einer einladung zum Abendessen. Am Tisch vor einem kleinen Restaurant sitzen mehr als zehn Männer, Verwandte und Kollegen. Wer nicht genug Englisch versteht bekommt meine Reisegeschichten übersetzt.

Die Hauptstraße in Richtung Singapore ist nicht sonderlich dicht befahren und ziemlich flach. Das macht das Fahren leicht, doch ist die Landschaft eher langweilig. Am Vormittag repariere ich am straßenrand meinen zweiten Platten. Freundliche Motorradfahrer bieten Hilfe an, doch zum Glück habe ich genug Werkzeug dabei. In Mersing frage ich von einer Gruppe Polizisten den, der das größte Maschinengewehr trägt, nach dem Weg. Seine finstere Miene wird schlagartig freundlich, er erklärt mir das etwas eigenartige Hausnummernsystem und ich finde ein schönes Hostel.

Mersing ist ein netter, ruhiger Ort. Ich mache kleine Ausfahrten in die Umgebung und gehe sogar einmal kurz zum Strand. Der Strand ist wunderbar und das Wasser herrlich warm und klar. Immerwieder gibt es kleine Hütten, die man für wenig Geld mieten kann. Aber ich bin noch nicht genug Stadtentwöhnt um auf den abendlichen Tee (Bier gibt es meistens nicht) unter Leuten zu verzichten.

Die Straße richtung Singapore wird immer belebter. Dazu zehren noch Hügel an den Nerven. Die letzten zehn Kilometer nach Johor Bahru geht es durch ein heilloses Verkehrschaos. Ich fahre die meiste Zeit zwischen den Spuren und sobald der Verkehr ins Rollen kommt heißt es entweder mithalten oder ganz schnell an den Rand fahren. Ich quartiere mich wieder im gleichen Hostel ein, der holländische Dauertourist ist immer noch da. Die letzten Tage verbringe ich in Singapur, kehre aber abends nach Malaysia zurück. Irgendwie ist es mir dort angenehmer. Als ich zum Flughafen radle komme ich in einen heftigen, dauernden Regen und werde zum ersten Mal auf dieser Reise richtig naß. Das Wasser steht teilweise über 20cm hoch auf der Straße, Regenbekleidung wäre absolut zwecklos. Den Nachmittag über verbringe ich noch mit Joecke aus Holland im East Coast Park. Wir lassen es uns nicht nehmen, mit Blick auf die Containerschiffe baden zu gehen. Als ich mich hinter einem Busch umziehe kommt ein Engländer auf mich zu und weist mich darauf hin, dass es im Mc Donald’s (der etwa 300m entfernt war) Toiletten zum Umziehen gibt. Irgendwie eine komische Situation.

Auf dem Weg zum Flughafen versuche ich die Autobahn zu meiden, verfahre mich und lande an einer Einfahrt für Bauarbeiter und Bedienstete. Der nette Wachmann freut sich offensichtlich über den Besuch, drückt mir etwas zu trinken in die Hand und holt seinen Chef. Dieser kocht Tee, organisiert etwas typisch nordindisches zu essen, lässt mich erzählen und erzählt auch von seiner Familie in Singapore. Die Männer wollen mich kaum gehen lassen, doch irgendwann muß ich mich dann doch über die Autobahn auf den Weg zum Terminal machen. Dort dusche ich noch ausgiebig bevor es über Bahrain zurück nach Deutschland geht. Mein Fahrrad, das auch auf dem Rückflug unverpackt war, kommt auch diesmal heil an.